Letztens hatten wir eine interessante Diskussion. Es ging um folgendes: Kann man heutzutage seinem Kind noch bestimmte Werte und Eigenschaften vermitteln, ohne das Kind dabei möglicherweise in Schwierigkeiten zu bringen?

Was ist mit Courage? Kann ich Arell sagen, wenn du Ungerechtigkeit erkennst, geh dazwischen? Wenn du Gewalt siehst, dann sowieso?! Es passieren so oft so schreckliche Dinge. Fünf Jungs gegen einen. Einer schlägt zu, und der Junge stirbt durch einen Unglücklichen Sturz. Die Hemmschwelle scheint mir nicht mehr so hoch zu sein. Brutalität ist keine Seltenheit, sondern irgendwie die heutige Sprache der Jugend und noch schlimmer, über die Jugend hinaus. Ich verstehe dieses „ich hol meinen      Bruder/Cousin/Vater/Onkel/Krassen Kumpel- Prinzip“ nicht?! Früher haben sich zwei gehauen und der, der gewonnen hat war einfach der Gewinner, fertig. Ich glaube sogar, dass es in der Kindheit und Jugend wichtig ist, dass man sich mal mit Konfrontationen auseinandersetzten muss. Manchmal auch mit einer Klopperei. Aber wieso geht es heutzutage dabei so unfair zu? Heute stürzen sich dann in einem Streit unter jungen Männern gleich 10 in den Kampf. Das Ziel ist also nicht seine Grenzen aufzuzeigen und dem Anderen mal die Stirn zu bieten, sondern einfach sinnloses Draufgehaue und dabei Anerkennung zu gewinnen nur nicht von dem, mit dem man sich jetzt eigentlich auseinander gesetzt hat, sondern von irgendwelchen anderen Brutalos. Davor habe ich Angst. Ich habe Angst das mein Kind mal die kaputt gemachte Trophäe irgendeines unüberlegten Menschen sein könnte. Riesen Angst sogar. Die Menschheit ist unberechenbar geworden. Nicht alle, natürlich nicht, aber Einige. Und ein einziger würde schon reichen, um ein ganzes Leben zu zerstören, eine ganze Familie. Wie kann ich also mein Kind schützen? In dem ich ihm Courage beibringe? Wenn er ein ängstlicher Mensch wird, ist ihm ja auch nicht geholfen. Dann blüht ihm vielleicht Mobbing, was heutzutage gern mit dem Mobiltelefon festgehalten wird und dann Netzwerke wie Facebook erreicht und sich Tausende daran beteiligen können. Das macht mich so wütend, wenn ich diese Videos online sehe. Ich kann sie mir gar nicht ansehen, weil sie mich rasend machen. Wie entsteht sowas? Ist das reine Erziehung oder Dazugehörigkeitswünsche, die jemanden so skrupellos machen, dass er gemeinsam mit Anderen einem Mitschüler vor laufender Kamera auf den Kopf tritt? Wo genau ist für uns Eltern die Mitte? Wie bringt man seinem Kind bei anderen selbstbewusst gegenüber zu treten und sich gleichzeitig aus Gefahrensituation zu entfernen? Das ist für mich so ein schwieriges Thema.

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Und was ist mit Selbstbewusstsein? Für seine eigenen Rechte einstehen? Im Beruf zum Beispiel. Was ist angebracht und was nicht? Muss man sich heutzutage zum Butler machen, um einen Job oder eine Ausbildung nicht zu verlieren? Sind die Hierarchien so aufgebaut, dass der Chef immer recht hat?  Vieles davon ist subjektiv. Was für den Einen als Ungerechtigkeit empfunden werden könnte, könnte für den anderen völlig ok sein. Aber gehen wir einfach von jedem selbst aus. Würdest du deinem Chef sagen, das du dich schlecht von ihm behandelt fühlst? Es gab in unserer Diskussion Meinungen die sagten: „Wenn jeder diese Hierarchien durch machen kann, kann auch Arell das. So ist das eben in unserer Gesellschaft. Man erarbeitet sich Anerkennung und Respekt. Trotzdem kann man Arell Selbstwertgefühl vermitteln, das schließt ja nicht aus, dass man im Job eben auch mal über Dingen stehen muss, die einem nicht gefallen.“ Ja, hörte sich plausibel an. Aber meine eigenen Erfahrungen und Erfahrungen von Freunden, grad in der Ausbildungszeit und in Praktika, war eine andere. Man verlangte Dinge, die garnicht zu den Aufgaben eines Auszubildenden gehören. Oftmals persönliche „Gefallen“, die dem Lehrling überhaupt nichts vermitteln außer vielleicht wie man vollprofimässig die Wäsche des Chefs aus der Reinigung abholt oder einkaufen geht. Muss man sich das gefallen lassen? Weil man zum Beispiel auf das Geld angewiesen ist?!  Was sagt man denn seinem Kind, wenn es sich vom Vorgesetzten nicht rechtens behandelt fühlt? „Da musst du durch“ oder „wenn es dir zuviel wird, musst du die Stelle wechseln“? Selbst Leute, die jahrelang studiert haben, haben heutzutage Schwierigkeiten, Jobs zu finden. Wie könnte man so jemanden sagen „du solltest dir sowas nicht gefallen lassen und deine Arbeit wechseln“? Unsere Diskussion ging bestimmt anderthalb Stunden. Und wie ihr festellen könnt, habe ich nicht wirklich eine Lösung für mich gefunden, wie ich meinem Kind das richtige Mittelmaß vermitteln werde. Aber ich hoffe, dass es sich von selbst ergeben wird, sicherlich auch anhand des Charakters meines Kindes. Denn das wird ja auch eine Menge Einfluss auf meine Wahrnehmung von ihm nehmen. Wir leben ihm zudem auch jeden Tag unsere eigene Haltung und Einstellung vor. Möglicherweise haben wir bewusst weniger Einfluss darauf, wie sich unser Kind entwickeln wird, als ich heute glaube. All diese Themen liegen in der Zukunft, aber sobald er anfängt Emotionen, Handlungen und Worte zu verstehen, werden wir anfangen ihm beibringen zu wollen, was richtig und was falsch ist. Und ich kann nur hoffen, dass wir das so gut vermitteln können, dass mein Sohn zu einem starken und gleichzeitig vernünftigen Mann heran wächst. Ich würde mir wünschen, dass es in unserer heutigen Zeit mehr Respekt vor dem Leben als solches gebe. Respekt und Toleranz sind die Grundpfeiler für Menschlichkeit und Fortbestehen. Und wir alle wünschen uns doch für die Menschen die wir lieben auch, dass sie von Anderen gut behandelt werden. Sicher legt man sich mal an, und kotzt sich mal aus. Es muss nicht alles Friede-Freude sein. Aber es geht ohne Gewalt und ohne Mobbing.

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Und da mach ich mir eine Platte über die Zukunft meines Kindes, überlege wie ich es richtig mache und im hier und jetzt fällt mir mein kleiner Löwe vom Bett. Ich glaube, ich habe mich noch nie so erschrocken. Ich hatte einen richtigen Schock. Sitze genau neben ihm, schaue ungelogen vielleicht 10 Sekunden weg und höre es nur noch knallen. Er hat geschrien wie am Spieß und ich gezittert wie Espenlaub. Wie dumm bin ich eigentlich, 10 Sekunden wegzuschauen? Ich weiß doch genau wie flink und agil er ist. Das Gefühl, die schlechteste Mutter der Welt zu sein, wollte mich gar nicht mehr los lassen. „Wenn das schwere Folgen hat, dass verzeihe ich mir niemals“. Wir sind gleich zum Arzt gefahren. Die Ärztin hat einen Blick auf Arell geworfen und meinte dann „Wissen Sie was Frau Fathi, jetzt setzen SIE sich erstmal.“ Hä, mein Kind braucht ne Untersuchung, ich doch nicht. 4  Bachblüten-Rescue Tropfen später sagt sie zu mir: „Jetzt versetzen sie sich nochmals in die Situation, was haben sie gefühlt als sie ihn auf dem Boden liegen sahen?“ Dabei hat sie mit dem Zeigefinger vor meinem Auge nach links und recht geschwenkt und ich sollte diesem mit den Augen folgen. Plötzlich hab ich so ein Heulanfall bekommen. „Ich hab so ein schlechtes Gewissen, wie konnte ich ihn aus den Augen lassen, ich saß doch genau neben ihm.“ Und die Tränen flossen, die Rotze auch und ich war völlig gefangen in den Gefühlen, die ich in diesem Moment hatte. „Das machen sie genau richtig, fühlen sie all die Angst die sie hatten, wir wiederholen das ganze nochmal.“ Wieder schwenkte sie mit dem Zeigefinger von links nach rechts und ich folgte mit meinen Augen. Noch mehr Tränen, noch mehr Rotze und dann, plötzlich, entspannte sich der Druck in meiner Brust und ich konnte wieder besser atmen. „Wir haben den Schock jetzt ausgeleitet. Wenn wir träumen bewegen sich unsere Augen auch von links nach rechts, dass haben sie sicher schon mal bei jemanden gesehen. Damit verarbeiten wir den Tag und können alles über die Bewegung der Augen ‚los werden‘. Das selbe habe ich jetzt mit ihnen gemacht, sonst hätte sich dieser Schock in ihnen verankert und das täte ihnen nicht gut.“ Ich habe mich wirklich gelöster gefühlt. Kann die zaubern? Dann hat sie sich Arell eingehender angeschaut. Motorik, Augen, Ohren .“Es scheint alles gut zu sein. Beobachten sie ihn für die nächsten 24 Stunden und wecken sie ihn stündlich bis Mitternacht um zu sehen, ob er klar ist und auf sie reagiert. Wenn etwas ungewöhnlich sein sollte, rufen sie mich auf dem Handy an, und keine Angst, wir haben auch dann noch Zeit um ins Krankenhaus zu gehen und größeren Schaden zu verhindern.“ Mit Arnika Globulis und einem besseren Gefühl gingen wir wieder.

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Und jede Mama die ich kenne berichtete mir an diesem Tag, dass ihr sowas auch irgendwann mal passiert sei. Eine Mama brachte mich sogar zum lachen, als sie mir erzählte, dass ihre Tochter als Baby im Supermarkt in die Gefriertruhe gefallen war. Wir können nicht alles kontrollieren. Und das ist eine Erkenntnis, die manchmal bitter ist. Wenn er diesen Sturz unbeschadet überstanden hat, kann ich nur hoffen und beten, dass er auch alle zukünftigen Unfälle und Gefahrensituationen übersteht. Und worüber ich mir heute eine Platte mache, kann in ein paar Jahren schon eine völlig andere Wendung genommen haben. Ich vertraue auf seinen Schutzengel (Weißte bescheid Mama) und mir bleibt nichts weiter als mit ihm, mit allen und allem Anderen den Moment zu leben, was genau jetzt in diesem Augenblick IST.

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